Verlagsrecht bei Tod des Autors

Was passiert eigentlich mit meinem Verlagsrecht und meinem Urheberrecht, wenn der Autor verstirbt? Wer darf das Werk bearbeiten? Wer darf über die Verlags- und Urheberrechte bestimmen? Und vor allem: Wer bekommt die Einnahmen und Tantiemen?

Diese Fragen stellen uns Autorinnnen und Autoren regelmäßig, wenn wir ihre Verlagsverträge prüfen und mit ihnen besprechen.

Der Urheberrechtsschutz besteht längstens bis 70 Jahre nach dem Ableben des Urhebers (§ 64 Urheberrechtsgesetz/  UrhG). Es ist daher verständlich und vernünftig, wenn sich Autoren vor Abschluss eines Verlagsvertrages auch mit dem Aspekt beschäftigen, was nach ihrem Tod mit ihrem Werk und Tantiemen geschehen soll.

 

Rechteklausel im Verlagsvertrag

Die meisten Verlagsverträge enthalten eine Regelung darüber, für welchen Zeitraum der Autor dem Verlag seine Urheberrechte einräumt, z.B. folgende:

 

„ Der Autor räumt dem Verlag an seinem Werk für die Dauer des gesetzlichen Urheberrechts die umfassenden, ausschließlichen nachfolgend aufgeführten Nutzungsrechte für alle bekannten und unbekannten Nutzungsarten ... ein ...“

oder

„Der Autor räumt dem Verlag an dem Werk räumlich unbeschränkt für die Dauer des gesetzlichen Urheberrechts die nachfolgenden ausschließlichen inhaltlich unbeschränkten Nutzungsrechte in allen bekannten und unbekannten Nutzungsarten für alle Ausgaben und Auflagen ohne Stückzahlbegrenzung – insgesamt oder einzeln – in allen Sprachen ein:…“

 

-> Mehr zu diesem Thema: Was regelt der Verlagsvertrag und worauf ist zu achten? haben wir in den verlinkten Beitrag erläutert.

 

Urheberrecht und der Tod des Autors

Das gesetzliche Urheberrecht für Schriftwerke (wie Romane etc.) gilt in Deutschland bis 70 Jahre nach dem Tod des Autors (§ 64 UrhG). Eine verdammt lange Zeit also.

Einige - insbesondere kleinere - Verlage lasssen sich die Autorenrechte aber auch für wesentlich kürzere Zeiten einräumen, z.B. für 5 Jahre oder 10 Jahre.

Stirbt der Autor vor Ablauf dieser vereinbarten Nutzungsdauer, endet nicht etwa der Verlagsvertrag. Nein, der Vertrag bleibt weiter wirksam und der Verlag darf weitermachen, wie bisher.

Zwar gehen im Todesfall das Urheberrecht auf den oder die Erben des Autors über (§ 29 Abs. 1 UrhG). Die Erben nehmen dann gegenüber dem Verlag quasi die (Rechts-)Position des Autors ein. Das bedeutet aber, dass der Verlag seine Rechte NICHT automatisch mit dem Tod des Autors verliert.

Wichtig! Der Verlag verliert die Rechte nicht automatisch mit dem Tod des Autors.

 

 

Je nachdem, für welche Dauer das Nutzungsrecht (Verlagsrecht) übertragen worden ist, verbleibt das Recht auch weiterhin beim Verlag. Den Erben steht auch kein "außerordentliches" Kündigungsrecht zu.

 

-> Mehr zu diesem Thema: Wann kann ich den Verlagsvertrag kündigen?

 

 

Was passiert dann?

In der Praxis, also im gelebten Verlagsvertrag, ergeben sich genau dann häufig Probleme.

Zum einen haben die Erben oftmals eine andere Auffassung was die Wahrnehmung der Nutzungsrechte durch den Verlag betrifft. Zum anderen wird das Urheberpersönlichkeitsrecht entweder gar nicht geachtet oder aber zu Lasten des Verlages überstrapaziert.

Gemeint sind Fälle, in denen Erben zum Beispiel glauben, dass sie nach dem Tod des Urhebers das Werk selbst bzw. bei einem andern Verlag vertreiben lassen können. Das geht jedoch erst dann, wenn die vertraglich eingeräumte Nutzungsdauer abgelaufen ist.

Nicht selten sind Erben der Auffassung, dass alte oder auch vom Verlag neu hinzu gezogene Co-Autoren nicht geeignet seien, um die – erforderliche - Überarbeitung des Werkes vorzunehmen. Darin sehen die Erben dann entweder eine Verletzung des Urheberpersönlichkeitsrechts des Alt-Urhebers, weil das Werk quasi in seinem Kern umgestaltet wird oder gar eine postmortale Rufschädigung, weil die Überarbeitung angeblich so schlecht erfolgt ist.

Wer also nicht möchte, dass seine Erben sich nach dem Tod die Haare raufen, sollte diese Aspekte im Vertrag regeln. Übereifrige Erben werden so in ihren Befugnissen eingeschränkt und unsichere Erben bekommen ein Handwerkszeug mitgegeben, welches ihnen ermöglicht, zum Wohle des Werkes zu agieren.

 

Vorsorge durch kreative Vertragsgestaltung

Mit kreativer Vertragsgestaltung und ein bisschen Verhandlungsgeschick, können zum Beispiel Regelungen getroffen werden,

  • ob nach dem Tod des Autors überhaupt neue Auflagen des Buches erscheinen dürfen oder
  • ob das Werk überarbeitet werden darf und, wenn dies bejaht wird, welche Dinge dürfen maximal überarbeitet werden,
  • welche Voraussetzungen sollten Co-Autoren mindestens erfüllen müssen,
  • zuständiger Ansprechpartner für Zahlungen auf Seiten der Erben, z.B. Ehepartnerin bzw. Ehepartner.

Weiterhin ist es möglich auch einzelne Rechte, welche dem Verlag eingeräumt wurden hinsichtlich ihrer Dauer zu beschränken, sodass ein teilweiser Rechterückfall mit dem Tod des Autors erfolgt.

 

Fragen zum Verlagsrecht?

Wir hoffen, Ihnen mit diesem Artikel einen kleinen Überblick verschafft zu haben. Bei Fragen können Sie sich wie gewohnt gern an uns wenden.

Sie erreichen uns:

  • per Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
  • per Telefon: 0381 - 877 410 310

 

Ihr Team der Kanzlei Janke & Schult

 

Bild: bloomicon/ Fotolia.com

 

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