fristlose Kündigung Verlagsvertrag

 Amazon bietet seit längerem mit seinem Programm „kindle direct publishing“ Autoren die Möglichkeit, ihre Werke selbst zu publizieren.

Ganz ohne Verlag. Millionen Leser erreichen. Mehr Geld für den Autor und keinen Kontrollverlust bezüglich der Rechte, Veröffentlichungen in digitaler Form oder als Taschenbuchdruckausgabe. Alles ganz einfach! So das Versprechen des Anbieters auf seiner Webseite unter www.kdp.amazon.com/de_DE.

Das ist natürlich äußerst verlockend für Autoren. Doch ist das wirklich alles so easy und unproblematisch? Schließlich hat Amazon nichts zu verschenken. Als Autor stellt sich daher in erster Linie die Frage, was mit seinen Urheberrechten an seinem Buch passiert? Und was passiert, wenn es einmal Unstimmigkeiten oder Streit zwischen dem Autor und Amazon gibt?

Wir haben uns die Nutzungsbedingungen des kindle direct publishing-Programms, kurz „kdp“ einmal angesehen - natürlich auch das Kleingedruckte.

 

Vorteile von kindle direct publishing

Mit dem Vertrag werden keine exklusiven Rechte an Amazon übertragen.

Das bedeutet, der Autor erfährt keinen Rechteausverkauf durch einen wie so oft vom Verlag vorgelegten Knebelvertrag, aus dem er nur mit größten Anstrengungen wieder herauskommen kann. Dies ist unseres Erachtens der größte Vorteil des Self-Publishings überhaupt.

Auch der Verdienst des Autors an seinem Werk ist grundsätzlich höher als bei einem Vertragsabschluss mit einem unbekannten Autor. Aber genau das ist oftmals der Hauptpunkt, warum sich Autoren das sogenannte self-publishing so  „romantisch verklärt“ einschätzen.

 

Risiken durch kdp für die Autoren

Der Autor behält zwar seine Urheberrechte an seinem Buch. Allerdings trägt er jedoch auch die komplette finanzielle Last, das heißt er muss die Kosten für das Lektorat und den Druck selbst zahlen. Das ist der Deal!

Auch die Druckkosten lasten auf dem Autor. Mit Satz und Layout bzw. Design wird er alleingelassen und natürlich eine rechtliche Überprüfung hinsichtlich Titel, Bebilderung, Zitate, Urheberrechte und oftmals auch Persönlichkeitsrechte muss der Autor aus eigener Tasche zahlen.

Kosten und Strategien der Buchvermarktung  können ebenfalls zu Buche schlagen. Das bedeutet am Ende eine enorme Vorfinanzierung durch den Autor bei ungewissem Erfolg des Werkes, sodass der vermeintliche Mehrverdienst am Ende von den Kosten verzehrt wird.

Dies zeigt ganz deutlich, welche Arbeit eigentlich so ein Verlag tatsächlich übernimmt. Wir sprechen hier natürlich von seriösen Verlagen. Natürlich fallen dann die Einnahmen für den Autor geringer aus. Er trägt jedoch im Falle eines wenig erfolgreichen Werkes kein finanzielles Risiko.

 

Mehr zum diesem Thema fnden Sie in unserem Beitrag: Was regelt der Verlagsvertrag und worauf ist zu achten.

 

Ein weiterer Punkt, den es zu beachten gilt, ist, dass im Falle von Rechtsstreitigkeiten US-amerikanisches Recht laut AGB anzuwenden ist und nur ein Schiedsgerichtsverfahren in Frage kommt.

In den Amazon-AGB für das Kindle-Publishing heißt es wörtlich:

„10 Allgemeine Rechtsvorschriften.

10.1 Streitigkeiten.Alle sich aus dieser Vereinbarung oder in Bezug auf KDP ergebenden Streitigkeiten oder Forderungen werden durch bindende Schiedsverfahren und nicht vor Gericht beigelegt, es sei denn, Sie bringen Ihre Forderungen vor einem Gericht für geringen Streitwert vor (small claims court), falls Ihre Forderung dies zulässt. Diese Vereinbarung unterliegt dem Federal Arbitration Act und dem Bundesrecht für Schiedsverfahren der USA.

Bei einem Schiedsverfahren werden keine Richter oder Schöffen hinzugezogen, und die gerichtliche Prüfung des Schiedsspruches ist begrenzt. Ein Schiedsmann kann jedoch individuell den gleichen Schadenersatz oder die gleiche Entschädigung aussprechen wie ein Gericht (einschließlich Unterlassungsansprüche, Feststellungsansprüche oder gesetzliche Schadenersatzansprüche), und er ist ebenso an die Bedingungen dieser Vereinbarung gebunden wie ein Gericht.

Um ein Schiedsverfahren zu beginnen, müssen Sie unter Erläuterung Ihrer Forderung schriftlich bei unserem registrierten Vertreter ‚Corporation Service Company, 300 Deschutes Way SW, Suite 304, Tumwater, WA 98051, USA‘ ein Schiedsverfahren beantragen.

Das Schiedsverfahren wird von der American Arbitration Association (AAA) gemäß deren Regeln durchgeführt, einschließlich der ergänzenden Verfahren für Verbraucherstreitigkeiten der AAA (Supplementary Procedures for Consumer-Related Disputes). Die Regeln der AAA erhalten Sie unter www.adr.org oder telefonisch unter 1-800-778-7879 (in den USA).

Die Zahlungen aller Prozess-, Verwaltungs- und Schiedsrichter-Gebühren unterliegen den Regeln der AAA. Wir werden diese Gebühren für Forderungen unter insgesamt $ 10.000 erstatten, es sei denn, der Schiedsrichter erklärt die Forderungen als frivol. Ebenfalls wird Amazon keine Anwalts- und Schiedsverfahrenkosten geltend machen, es sei denn der Schiedsrichter erklärt die Forderungen als frivol.

Sie haben die Wahl, ob das Schiedsverfahren telefonisch, auf der Grundlage von Schriftsätzen oder in Person in dem US County, in dem Sie wohnen, durchgeführt wird oder an einem anderen gemeinsam vereinbarten Ort.

Sie und wir vereinbaren, dass alle Streitigkeiten ausschließlich individuell beigelegt werden und nicht als Klassen-, konsolidierte oder repräsentative Klage. Wenn eine Forderung aus irgendeinem Grund vor Gericht anstatt in einem Schiedsverfahren verhandelt wird, verzichten beide Parteien auf einen Schöffenprozess. Sie oder wir können eine Klage ausschließlich auf individueller Grundlage und nicht als Klassen-, konsolidierte oder repräsentative Klage einreichen, welches auch für vorläufigen Rechtsschutz gilt. Vorläufiger Rechtsschutz kann nur bei den Gerichten des US-Staates Washington angerufen werden.

10.2 Geltendes Recht. Diese Vereinbarung und alle in Bezug auf diese Vereinbarung und das Programm zwischen Ihnen und Amazon entstehenden Streitigkeiten unterliegen unter Ausschluss der Vorschriften über die Rechtswahl dem United States Federal Arbitration Act, geltendem US Bundesrecht und den Gesetzen des US-Staates Washington.“

 

Allein diese Klauseln können im Streitfall erhebliche Kosten entstehen lassen, wie beispielsweise Anwaltskosten, Übersetzungskosten oder Reisekosten etc.. Dies wird leider oftmals nicht gesehen.

 

Fazit

Wir wissen, wie schwer es gerade für noch unbekannte Autorinnen ist, von den bekannten Verlagen angenommen zu werden.

Wer sein Buch dennoch „in die Welt“ bringen möchte, für den stellt unseres Erachtens Kindle Publishing eine zu prüfende Alternative dar. Ganz klar ist kindle direct publishing den unseriösen Selbstkosten- bzw. Druckkostenzuschussverlagen in jedem Falle vorzuziehen.

Gleichwohl sollte eine eigene Publikation gut überlegt sein. Es empfiehlt sich, eine sorgfältige Kosten–Risiko-Abwägung vorzunehmen. Insbesondere sind die für Lektorat, Layout, Design und ggf. Druck entstehenden Kosten zu eruieren, wenn man dies nicht selbst übernehmen kann. Anderenfalls bleiben diese Kosten am Ende beim Autor hängen, wenn sich die Verkaufszahlen nicht wie gewünscht entwickeln.

 

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Bild: bloomicon/ Fotolia.com

 

 

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