blockchain smart contractsKodak kündigte kürzlich nicht nur eine eigene Kryptowährung für Fotografen an, sondern auch eine Kodak-Plattform, um eine unerlaubte Nutzung urheberrechtlich geschützter Bilder zu stoppen.

Das sorgte nicht nur bei den Kreativen und Juristen für Furore, sondern ließ auch den Aktienkurs des Unternehmens im US-Handel in die Höhe schießen.

Mit dem sogenannten KodakCoin und der dazugehörigen Plattform KodakOne sollen Fotografen ihre Bilder vermarkten und ihre Urheberrechte absichern können.

Als Basis dafür dient die sogenannte Blockchain-Technologie (Block-Kette), mit der auch das Digitalgeld Bitcoin abgesichert wird, das sich ebenfalls wachsender Nachfrage erfreut.

Was ist eigentlich Blockchain?

Aber was verbirgt sich hinter dieser Blockchain-Technologie und wird sie das Urheberrecht bzw. den Stock-Foto-Markt im Internet revolutionieren können?

Der Bitcoin-Handel im Internet ist denkbar einfach: Nach einer Kontoeinrichtung bietet man dem Verkäufer einen bestimmten Betrag für einen Bitcoin (ca. 12.000 Euro, Stand Januar 2018, Tendenz noch steigend). Wenn der Verkäufer den Eingang dieses Gegenwertes auf seinem Konto bestätigt, wird der Bitcoin auf dem Bitcoin-Konto des Käufers gutgeschrieben.

Da diese Transaktion über ein dezentrales webbasiertes „Buchhaltungssystem“ funktioniert, braucht es dafür keine Bank. Der Handel findet sicher, sehr schnell und transparent statt.

Blockchain bringt smart contracts für Kreative

Eine Blockchain ist letztlich eine Kette von Datensätzen, die dezentral verwaltet werden. Jede neue Information wird als neuer Datensatz an die bisher bestehende Kette angefügt. Damit soll ausgeschlossen werden, dass die vorherigen Datensätze (Blocks) der Kette verändert werden können.

Wie Blockchain genau funktioniert, erfahren Sie in folgendem Beitrag auf Heise.de: Was ist eine Blockchain? 

So wie man in einem Block einen Geldwert zuordnen kann, lassen sich in dem Datensatz auch andere Informationen hinterlegen, wie beispielsweise, der Name des Urhebers eines Werkes oder die Bedingungen für die Nutzung des Werkes. Genau das will Kodak mit seiner Plattform umsetzen.

Auf der Kodak-Plattform sollen Fotografen ihre Werke als Blockchain-Eintrag registrieren können. Der Copyright-Vermerk und die Lizenzbedingungen für die Bilder werden dabei als programmierte Vereinbarungen (smart contracts) in einen Block einer Blockchain hinterlegt.

Mithilfe solcher dezentraler Netze wäre es also möglich, digitale Inhalte wie Musik, Fotos, Texte und Kunst zwischen Urhebern der Werke (Verkäufer) und deren Fans (Käufer) schnell und fair zu handeln. Durch die Blockchain-Technologie wäre die Verbreitung in Echtzeit nachvollziehbar und präzise abrechenbar. Auch, dass dabei keine Zwischenhändler beteiligt sind, macht die Sache attraktiv.

Genaue technische Details der Plattform hat das Unternehmen zwar noch nicht veröffentlicht.

Aber es existieren bereits andere ähnliche Projekte, die smart contracts auf Blockchain-Basis zur Sicherung und Vergütung von Urheberrechten nutzen wollen, so dass es kein Geheimnis ist, wie die Kodak-Plattform arbeiten wird.

Mit der Blockchain können Künstler einen nicht veränderbaren Urhebernachweis und einen Zeitstempel in ihren Bildern hinterlegen und so ein permanentes Record ihres Werkes erstellen. Damit könnte der Urheber also stets und unwiderlegbar seine Rechteinhaberschaft an einem bestimmten Werk beweisen. Die Copyright-Hinweise und die Bedingungen der Nutzung ihrer Werke könnten die Urheber ebenfalls via Blockchain für jeden Nutzer sichtbar im Bild hinterlegen.

Mit von den Künstlern festgelegten Bedingungen würden diese entscheiden, zu welchen Konditionen sie ihre Werke zur Nutzung freigeben.

Lizenzen mit smart contracts - Rechtemanagement durch Blockchain

Es ist eine Idealvorstellung für die Kreativen: Kunstschaffende und Nutzer bilden einen Mikromarkt, auf dem jede Nutzung geistigen Eigentums entlohnt wird.

Durch die Blockchain wäre gewährleistet, dass zwischen Partnern, die sich noch nicht kennen, ein Vertrauen entstehen kann. Denn die zwischen den Parteien getroffene Vereinbarung ist in einem Block der Blockchain hinterlegt und lässt sich nachträglich nicht ändern. Zudem erfolgt der Handel in verschlüsselter Form. Daher braucht es für diese Art von smart contract keinen vertrauensvollen Zwischenmann, wie beispielsweise eine Bank. Durch den fehlenden „man in the middle“ lassen sich erhebliche Transaktionskosten sparen.

Auch würde der Kunstschaffende, entgegen der heutigen Kopierpraxis im Netz, für jede (!)  Nutzung seines Werkes entlohnt werden können. Mit Web-Crawlern will Kodak unerlaubte Nutzungen der auf der Plattform registrierten Bilder im Web aufspüren. Auch die anschließende Nachlizenzierung will Kodak dann durch Blockchain basierte smarte Verträge abwickeln.

Aber ist das realistisch?

Bei der Umsetzung dieser Idee dürfte Kodak vor folgender Herausforderung stehen:

Die Nutzer wollen die Fotos heute möglichst kostenfrei. Hierfür existieren auch zahlreiche Anbieter am Markt. Die Kodak-Idee dürfte also nur dann Erfolg versprechend sein, wenn die Mehrzahl der Fotografen ihre Fotos in einer riesigen Datenbank zusammenführt und sich so für den Bildnutzer keine Alternativquellen fänden. Und auch nur, wenn die Schnelligkeit und Sicherheit der Transaktion für den Künstler auch auf lange Sicht gewährleistet ist, werden sie sich dazu entschließen, ihre Werke exklusiv in dieses System zu geben.

In der Tat ist das rechtwidrige Kopieren und Weiterverbreiten urheberechtlich geschützter Werke im Internet ein Ärgernis für die Kreativen weltweit. Ob wir mit der Blockchain-Technologie diesbezüglich vor einer Zeitenwende stehen, bleibt abzuwarten. Die technischen Möglichkeiten existieren bereits.

Das Unternehmen Kodak dominierte einst den Markt der klassischen Fotografie, verlor aber im Rahmen der Digitalfotografie den Anschluss und musste letztlich Insolvenz anmelden. Mit dem aktuellen Projekt versucht es dann gleich wieder ganz vorn mitzumischen. Ob allein die Erwähnung der Begriffe „Kryptowährung“ oder „Blockchain“ ausreicht, werden wir sehen. 

Für Fragen steht Ihnen Rechtsanwältin Romy Schult, Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht, gern zur Verfügung.

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