Urheberrecht StellenanzeigeStellenanzeigen bzw. Stellenbeschreibungen können als Sprachwerk urheberrechtlich geschützt sein, wenn es sich sich nicht um allgemeine und gängige Formulierungen handelt. Das hat das Kammergericht Berlin mit Beschluss vom 18.07.2016 entschieden. Das bedeutet: Schreiben Sie keine Anzeigen 1:1 ab.

Der Laden brummt, die Umsätze steigen und die Aussichten das beste Geschäftsjahr aller Zeiten hinzulegen, sind so gut wie lange nicht. Doch gerade in dieser Hochzeit sorgt die unerwartete Krankmeldung eines Mitarbeiters für etwas Trübsal. Eine Aushilfe muss her – möglichst schnell natürlich. Da ist es verlockend Anzeigen via Facebook, Twitter und auf der Website zu posten, um möglichst viele potentielle Ersatzkräfte etc. zu erreichen. Aber auch dies kostet Zeit, die in einem vollgepackten Arbeitstag nicht existiert.

Was wird gemacht? Schnell mal ein ähnliches Stellengesuch bei Google recherchiert, kopiert und mit den eigenen Daten aufgefüllt, fertig und klick. 

Stellenausschreibungen aus dem Internet – Vorsicht Abmahnfalle

So oder so ähnlich wird es des Öfteren praktiziert, und manchmal kommt man damit auch schnell ans Ziel. Doch Achtung, eine solche Vorgehensweise birgt die Gefahr kostenintensiv abgemahnt zu werden. Durch wen? Durch den Unternehmer, den eigentlichen Urheber der kopierten Stellenbeschreibung.

Denn einige Unternehmen investieren viel Zeit und Geld in die Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Eine unautorisierte Weiterverbreitung ihrer teilweise von externen Dienstleistern erstellten Stellenausschreibung, verfolgen sie daher auch vehement.

Voraussetzung für eine solche Abmahnung wegen einer Urheberrechtsverletzung ist natürlich, dass die Formulierung der Anzeige überhaupt urheberechtlich geschützt ist. Das ist nicht immer der Fall, sondern nur dann, wenn es sich um eine besondere Formulierung handelt, wenn also, wie die Gerichte sagen, eine gewisse Schöpfungshöhe erreichtist. Wann genau das der Fall ist, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab..

So entschied das Kammergericht Berlin mit Beschluss vom 18.07.2016, dass ein Urheberrecht an einer Stellenanzeige als Sprachwerk entstünde, wenn es sich nicht um allgemeingültige Formulierungen handelt

Nicht jeder Text ist duch das Urheberrecht geschützt

Das Gericht ließ erkennen, dass eine im allgemeinen häufig vorkommende lockere Art des Sprachstils jedenfalls nicht individuell genug sei, um eine Stellenanzeige von der Masse des Alltäglichen abzuheben. Schlussendlich, und dafür ist das Urheberrecht bekannt, handelt es sich bei der Bewertung, ob ein Urheberrecht besteht oder nicht, um Einzelfallentscheidungen.

Diese werden demgemäß auch oftmals unterschiedlich von den Gerichten getroffen, je nachdem wie gut oder schlecht der Anwalt diese Urheberrechtsverletzung glaubhaft begründet.

Meine Empfehlung

Widerstehen Sie der Versuchung, fremde Stellenbeschreibungen aus dem Internet zu kopieren. 

Versuchen Sie besser, in weniger arbeitsintensiven Zeiten selbst eine Stellenanzeige zu erstellen, die sie dann bei Bedarf abändern und nutzen können, man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden.

Sollte Sie wegen einer übernommenen Anzeige abgemahnt worden sein, reagieren sie ruhig und besonnen.

Unterzeichen die Unterlassungserklärung nicht vorschnell und sehen Sie davon ab vorschnell etwaige Zahlungen zu leisten. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass eine Abmahnung in diesem Bereich oftmals erfolgreich zurückgewiesen werden kann, da sie die sogenannte Schöpfungshöhe nicht erreichen.

Für Fragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Schreiben Sie uns einfach ein E-Mail oder rufen Sie uns an:

Sie erreichen uns:

  • per Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
  • per Telefon: 039 98 - 28 24 273

Ihre Ansprechpartnerin ist Rechtsanwältin Romy Schult, Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht. 

Bild: bloomua/ Fotolia.com