In nahezu jedem Verlagsvertrag findet sich eine Klausel zur „Makulierung“  oder „Teilmakulierung“. Bei der Prüfung von Verlagsverträgen fragen unsere Mandanten daher häufig, was eigentlich „Makulierung“ für das eigene Werk bedeutet.

 

Makulierung im Verlagsrecht heißt, dass die Restexemplare eines Buches, einer CD oder DVD unentgeltlich aus dem Verkehr gezogen werden. Sie werden eingestampft. Der Autor erhält kein Geld mehr für diese Exemplare.

Zwar werden die Restbestände häufig nicht gleich vernichtet, sondern an sogenannte “Moderne Antiquariate“ und "Restpostenhändler" weiterverkauft. Am Makulierungserlös ist der Verfasser jedoch regelmäßig nicht mehr beteiligt.

 

Gründe für die Makulatur

Es gibt mehrere Gründe, weshalb Bücher makuliert werden, zum Beispiel:

1.    weil der Absatz stockt oder keine Gewinne mehr für den Verlag bringt
2.    weil der Inhalt des Buches Persönlichkeitsrechte verletzt und es daher aus rechtlichen Gründen zurückgerufen wird
3.    weil der Inhalt nicht mehr aktuell ist oder
4.    weil eine erhebliche Anzahl der Auflage beschädigt ist (sogenannte Mängelexemplare).

Bei den zuletzt genannten Mängelexemplaren handelt es sich um Teile einer Auflage, die entweder starke Beschädigungen, Beschmutzungen oder Fehler aufweisen und einen Verkauf zum normalen Preis unmöglich machen. Auch sie werden regelmäßig zunächst zu einem reduzierten Preis im „Modernen Antiquariat“ verkauft.

Läuft auch das nicht mehr, wird makuliert. Das Buchpreisbindungsgesetz schreibt vor, dass Mängelexemplar als solche ausdrücklich gekennzeichnet werden müssen.

 

Wann darf der Verlag makulieren?

Die Makulierung gibt dem Verleger das Recht, sich von solchen Exemplaren und Auflagen zu trennen, die nicht mehr gewinnbringend verkauft werden können. Sie stellt die ultima ratio (also das letzte Mittel) dar und sollte sich daher auf nachweislich (!) nicht absetzbare Auflagen oder beschädigte Exemplare eines Titels beschränken.

Im Verlagsgesetz gibt es keine explizite Regelung, ob und unter welchen Voraussetzungen der Verleger diese ultima-ratio-Karte ziehen darf. Um Unklarheiten und Streit  vorzubeugen, ist daher eine klare vertragliche Vereinbarung sinnvoll.

In den Verlags- oder Autorenverträgen sind die Klauseln zur Makulierung und Verramschung vielfach unpräzise formuliert. Der Grund hierfür ist klar: Die Verlage wollen bei dieser Entscheidung möglichst freie Hand haben. Sie wollen allein entscheiden und schnell handeln, wenn sich der Verkauf einer Auflage nicht mehr rentiert und nicht noch vorher lange mit dem Autor debattieren.

So finden sich Formulierungen, dass makuliert werden darf, wenn

  • der Absatz nicht mehr lohnt oder
  • keine nennenswerter Absatz zu verzeichnen ist.

Was das jedoch genau heißt, bleibt unklar und kann später zu Diskussionen und Streit führen.

Daher sollten Verlag und Autor diesen Punkt offen ansprechen und eine Formulierung finden, mit der die berechtigten Interessen beider Seiten gewahrt werden. Am Ende dieses Beitrages erhalten Sie Hinweise, welche Aspekte bei der vertraglichen Regelung zur Makulierung zu beachten sind.

Die Klausel könnte beispielsweise dahingehend formuliert werden, dass der Verlag zur Makulierung berechtigt ist, wenn

„innerhalb von 12 aufeinanderfolgenden Monaten kein Exemplar verkauft worden ist.“

oder

„wenn der Absatz in 12 aufeinanderfolgenden Monaten EURO X nicht übersteigt."

Idealerweise wird vereinbart, dass der Makulierung eine Verramschung vorausgeht, mit der versucht wird, die Auflage zu einem reduzierten Preis zu abzusetzen. Vorteil für den Autor, er ist weiter an den Erlösen beteiligt

Liegt keine vertragliche Vereinbarung vor und lässt sich das Werk auch zu einem herabgesetzten Preis nicht mehr absetzen, darf der Verleger wählen, ob er die Restauflage verramscht oder makuliert.
Im Falle einer unzulässigen Makulierung stehen dem Verfasser Schadensersatzansprüche gegen den Verlag zu.

 

Verlag muss Autor vorher informieren

In jedem Falle aber ist der Verlag verpflichtet, den Verfasser vor der Makulierung zu informieren. Der Autor muss die Möglichkeit erhalten, den Restbestand ganz oder teilweise kostenlos ab Lager zu übernehmen. Denn nicht jeder Schriftsteller will sein Werk für 2,99 Euro auf dem „Grabbeltisch“ sehen.

 

Ist die Makulierung das Ende des Verlagsvertrages?

Was bedeutet das für die Rechte des Autors an seinem Werk?

Viele Autoren meinen, dass mit der Vernichtung gleichzeitig der Verlagsvertrag beendet ist und sie ihre Werke danach entweder im Wege des self-publishing, als eBook oder bei einem anderen Verlag herausgegeben dürfen.

Aber Vorsicht! Ein Verlagsvertrag gilt bis zum Ende des vereinbarten Zeitraumes. Ohne gesonderte Vereinbarung endet der Vertrag mit der Makulierung nur dann, wenn diese die letzte vereinbarte Auflage des Verlages betraf.

Hat sich der Autor aber mit mehreren Auflagen beim Verlag verpflichtet und wurde lediglich die 1. Auflage makuliert, verbleiben die Verlagsrechte an dem Werk weiterhin beim Verlag. Der Verfasser darf das Werk dann weder selbst noch durch einen anderen Verlag verwerten.

Soll der Vertrag automatisch mit der Makulierung enden, so müsste dies ausdrücklich vertraglich vereinbart werden. Dies werden die meisten Verlage aber skeptisch sehen.  

Grundsätzlich ist es schi

 

Was kann der Autor tun?

Erkennt der Autor nach einer solchen Maßnahme, dass der Verlag sich nicht mehr um den Absatz des Buches kümmert und keine neue Auflage herausbringt, kann er seine Verwertungsrechte vom Verlag zurückzufordern.

Denn der Verlag kommt seiner Vertragspflicht zur „Vervielfältigung und Verbreitung des Werkes“ nicht mehr nach, so dass ein Rechterückruf möglich ist.

Hier finden Sie enen ausführlichen Beitrag zum Thema: "Wann kann ich meinen Verlagsvertrag beenden?

 

Praxistipps zur Gestaltung des Verlagsvertrages

Im Zusammenhang mit der Makulierung empfehlen wir, den Verlagsvertrag auf folgende  Aspekte zu prüfen und diese – sofern sie in Betracht kommen-  zu regeln:

1.    Unter welchen Voraussetzungen darf der Verleger makulieren?
2.    Vereinbaren, dass und wie lange der Verlag den Autor vor der Makulierung informieren muss.
3.    Regeln, ob der Verleger gleich makulieren darf oder vorher versuchen muss, die Auflage zu einem geringeren Preis abzusetzen (sog. Verramschung).
4.    Vereinbaren, dass der Autor berechtigt ist, auch Teile der Restauflage bei beabsichtigter Makulierung kostenlos oder bei Verramschung zum Ramschpreis (abzüglich seiner Beteiligung) zu übernehmen.
5.    Prüfen und gegebenenfalls vereinbaren, ob das Verlagsverhältnis automatisch mit der Makulierung enden soll.

 

Wir hoffen und wünschen natürlich, dass Ihre Auflage ohne Verramschung und Makulierung viele Leser findet.

 

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