Verlagsvertrag AnwaltDer Verlagsvertrag oder Autorenvertrag ist die Rechts- und Geschäftsgrundlage zwischen dem Kreativen und demjenigen, der das Werk zum Leser und damit zum Käufer bringt. Er ist die wirtschaftliche Basis und sagt viel darüber aus, welches Interesse der Verlag wirklich am wirtschaftlichen Erfolg des Autors und des Buches hat.

Mit seiner Unterschrift überträgt der Autor dem Verlag einen wesentlichen und den wirtschaftlich wertvollsten Teil seiner Rechte an dem Werk. Einmal übertagen, lassen sich diese Rechte auch nicht so schnell wieder zurückrufen. Daher sollte der Autor trotz der Euphorie über das eigene Buch und trotz der Versprechungen einiger Verlage genau prüfen, was er unterschreibt.

Nachfolgend erläutern wir Ihnen zunächst die dem Verlagsverhältnis zugrundeliegenden Interessen und die sich daraus ergebenden rechtlichen Aspekte.

 

Klassischer Verlag, Self-Publishing, Zuschussverlag? 

Es ist ein Meilenstein im Leben eines Autors. Der Moment, in dem die letzte Zeile geschrieben und das Werk vollendet ist. Mancher Autor wird sich hier erstmal zurücklehnen und denken: "Fertig!" Doch die eigentliche Arbeit beginnt jetzt erst. Wie bringe ich mein Buch nun zum Leser?

Für eine lange Zeit war dies nur mit Hilfe eines Verlegers möglich. Auch heute gehört dies zur klassischen Vorgehensweise. Daneben haben sich aber noch folgende weitere Vertriebswege entwickelt:

  • Self-Publishing
  • Books-on-Demand
  • Druckkosten-Zuschussverlage.

Außer beim Self-Publishing muss der Autor einen Autoren- oder Verlagsvertrag abschließen.

 

Was regelt der Verlagsvertrag?

Mit seiner Unterschrift gibt der Autor einen Teil seiner Urheberrechte, nämlich das sogenannte Verlagsrecht, an den Verlag ab. Dadurch wird der Verfasser verpflichtet, sein Werk dem Verleger zur Vervielfältigung und Verbreitung zu überlassen. Im Gegenzug wird der Verleger verpflichtet, das Werk zu drucken und zu vertreiben (juristisch: zu vervielfältigen und zu verbreiten), § 1 Verlagsgesetz (VerlG).

Der Autor überträgt seine Rechte, entledigt sich aber - zumindest beim klassischen Verlagsvertrag - der wirtschaftlichen Risiken, die mit der Publikation einhergehen. Denn der Verleger trägt sämtliche Kosten für Erstellung, Verbreitung und Werbung für das Werk des Autors. Der Erfolg eines Werks hängt nicht nur von der Leistung des Autors ab, sondern zu einem nicht unerheblichen Teil auch von der Umsetzung durch den Verleger.

Der Verlagsvertrag regelt die Rechts- und Geschäftsbeziehung zwischen dem Verleger und einem oder mehreren Autoren, d.h es wird unter anderem vereinbart,

  • um welches Buch (Titel) es geht (Vertragsgegenstand),
  • Rechte und Pflichten des Verlages,
  • Rechte und Pflichten des Autors,  
  • Vergütung des Autors,
  • Laufzeit des Vertrages. 

Der Verlagsvertrag ist ein besonderer urheberrechtlicher Lizenz-Vertrag, für den die allgemeinen urheber- und lizenzvertraglichen Regelungen des Urheberrechts Anwendung finden. Soweit im Vertrag keine oder unvollständige individuelle Regelungen getroffen sind, greift das Verlagsgesetz (VerlG) ein. Die individuellen vertraglichen Vereinbarungen haben also regelmäßig Vorrang vor dem Verlagsgesetz.

Hinweis: Ein klassicher Verlagsvertrag i. S. d. § 1 VerlG setzt voraus, dass der Verleger zumindest in nicht unerheblichem Umfang auf eigene Rechnung handelt. Verträge der Zuschussverlage fallen nicht darunter, da diese sich die Druckkosten etc. bezahlen lassen und daher gerade nicht das wirtschaftliche Risiko des Verlegens eines Buches tragen.

Als erstes wird der Vertragsgegenstand genau im Vertrag definiert. Dies kann ein bereits fester Titel sein. Bei einem Arbeitstitel oder einer entsprechenden Spezifikation des Themas ist dieser Punkt meist etwas umfassender beschrieben. Titel werden zudem oft nur in Abstimmung mit dem Verlag endgültig abgesegnet. Autoren sollten darauf achten, dass Verlagshäuser bereits in dieser Frage gerne mitbestimmen möchten.

 

Regelung zu den Urheberrechten im Verlagsvertrag

Des Weiteren befinden sich meist auf der ersten Seite des Vertrages Regelungen zum Urheberrecht. Der Autor muss vertraglich versichern, dass er das alleinige Urheberrecht am Werk innehat und niemandes Persönlichkeitsrechte verletzt. Mit dieser Klausel sprechen sich die Verlage von der Haftung für Urheberrechts- und Persönlichkeitsrechtsverstößen frei.

Häufig sind gesonderte Verträge erforderlich, wenn auf Wunsch des Verlages fremdes Text- und Bildmaterial mit eingearbeitet ist.

Außerdem werden in weitere Nutzungsrechte, sogenannte Nebenrechte geregelt, wie u.a das Recht

  • zur Übersetzung,
  • das Vortrags-, Aufführungs- und Senderecht,
  • das Verfilmungsrecht,
  • das Schalplatten- und Kassettenrecht.

 

Pflichten des Verlages zur aktiven Verwertung

Weiter geht es um die Pflichten des Verlages. Die wichtigsten Punkte für den Autor sind

  • die Erscheinungsform bzw. -formen,
  • die Pflicht zur Vervielfältigung des Werkes und
  • die Pflicht zur Werbung sowie
  • das Recht zur Bestimmung des Ladenpreises, sofern das Werk im regulären Buchhandel erscheinen soll.

Der wichtigste Aspekt beim klassischen Verlagsvertrag ist, die Pflicht zur Verwertung. Das heißt, der Verlag  muss sich intensiv um die wirtschaftliche Verwertung des Werks bemühen. Eine Verletzung dieser Pflicht kann nämlich ein gesetzliches Rückrufsrecht hinsichtlich sämtlicher eingeräumter Nutzungsrechte zur Folge haben, vgl. hierzu § 41 UrhG (Urhebergesetz).

Hinweis: Zuschuss-Verlage verpflichten sich gerade nicht, das Buch aktiv zu vertreiben und "in die Läden" zu bringen, sondern nur soviel zu tun, dass man es im Buchhandel bestellen kann.

Bei Books-on-Demand-Verträgen (BoD) und vor allem bei Druckkostenzuschußverlagen besteht diese Pflicht des Verlages, sich aktiv und nachweislich darum zu bemühen, dass das Buch möglichst viel Geld einspielt, natürlich nicht.

So heißt es in den Verträgen der Selbstkosten-Verlage, dass man verpfichtet ist, das Werk "im Buchhandel erhältlich zu machen". Das heißt keinesfalls, dass die Bücher tatsächlich in den Buchläden stehen!

Der Autor sollte bei den Verlagspflichten weiter darauf achten, dass er entsprechende Informations- und Mitbestimmungsrechte erhält, beispielsweise für einen geänderten Erscheinungstermin oder für nachträgliche Änderungen bezüglich der Erscheinungsform des Werkes.

Auch sollte der Autor über erfolgte Verwertungen, informiert wird.

 

Regelung der Vergütung des Autors

Der wohl wichtigste Punkt, welcher im Vertrag zu regeln ist, ist die Vergütung des Autors. Wohl keine Klausel in Autorenverträgen ist in sich oft so grundverschieden gestaltet, wie die zur Vergütung des Autors.

Seit 2002 haben Urheber aus § 32 Urheberrechtsgesetz (UrhG) einen gesetzlichen Anspruch auf Zahlung einer "angemessenen Vergütung". Doch bis heute finden sich massiv "untervergütete" Autoren, obwohl sich Verleger und Autoren zu bestimmten Richtlinien einzeln bekannt hatten. Im Regelfall erhalten Autoren 10% des Nettoverkaufspreises pro verkauftes Hardcover-Exemplar. Bei Taschenbüchern gibt es meist gesonderte Regelungen. Beispielsweise pendeln sich diese auf 5% pro 20.000 verkaufter Exemplare ein. Bei höheren Verkaufszahlen gelten für den Autor lukrativere Vergütungsstaffeln.

Hinweis: Prüfen Sie, ab wie viel verkauften Exemplaren die Vergütung ausgezahlt wird. 1.000 Exemplare sind bei einem Erstlingswerk enorm viel!

Die Verwertung aus einer eventuellen Medienadaption kann einem Autor bis zu 60% des Erlöses einbringen. Sonstige Vervielfältigungsmöglichkeiten, wie die Vermarktung per Hörbuch, generieren dem Autor ein Honorar in Höhe von meist der Hälfte des daraus entstandenen Erlöses. Der am 06.02.2014 verabschiedete Rahmenvertrag zum Verlagsvertrag enthält einen umfassenden Regelungsvorschlag, wie das vertraglich vereinbarte Honorar aufgebaut werden kann. Zwar ist der Rahmenvertrag nicht allgemein gültig, kann aber in Streitfällen von den Gerichten als Bewertungsgrundlage zugelassen werden und so irgendwann für eine gewisse Rechtssicherheit sorgen.

Der Rahmenvertrag enthält Regelungen, ob und in welcher Höhe ein Vorschuss dem Autor zufließen soll und wann dieser in welcher Höhe fällig gestellt wird. Das Haupthonorar für verkaufte, bezahlte und nicht remittierte Exemplare ist mit einer Staffelung nach oben versehen, wenn die von den Parteien vorbestimmte Höhe der Verkaufszahlen überschritten wurden. Die Vergütung zum Erlös aus sogenannten buchfernen Nebenrechten und weiteren Verwertungsformen erfolgt nach demselben Prinzip.

 

Klauseln zur Verramschung und Makulierung

Letztlich regelt der Verlagsvertrag zahlreiche weitere Punkte, die sowohl zum Segen als auch zum Knebeln des Autors beitragen können, wie unter anderem

  • das Recht des Verlages bei stagnierendem Verkauf, das Buch zur Verramschung und zur Makulierung freizugeben sowie
  • die sogenannten Options- und Wettbewerbsklauseln.

Auf diese Klauseln sollten Autoren sehr genau achten und im Bedarfsfall rechtlichen Rat einholen. Gerade der noch unerfahrene Autor wird allgemein beim Thema Verlagsvertrag eine hohe rechtliche Informationslücke füllen müssen.

Da das Makulierung von Büchern durch die Verlage regelmäßig ein Streitpunkt ist, haben wir in einem separaten Beitrag erläutert, was Makulierung in einem Verlagsvertrag für die Autoren bedeutet.

 

Optionsklauseln

Bei einer Optionsklausel beispielsweise will sich der Verlag ein Recht an entweder einem oder mehreren oder manchmal auch allen künftigen Werken des Autors sichern. Grundsätzlich gesehen ist das zunächst Ausdruck des Verlegers, auch weitere Projekte mit dem Autor umsetzen zu wollen. Im Einzelfall sind die Klauseln aber so formuliert, dass diese einem Knebelvertrag gleichkommen. Die Gerichte haben solche Optionsklauseln wiederholt für unwirksam erklärt.

 

Fragen zum Verlags- oder Autorenvertrag?

Nutzen Sie unsere langjährige Erfahrung in der Beratung von Autoren und Verlagen.

Prüfen Sie, bevor Sie den Verlagsvertrag unterzeichnen, ob alle wichtigen Aspekte geregelt sind, ob Ihre Rechte gesichert sind und welchen Verhandlungsspielraum es noch bei der Vergütung gibt.

Gern prüfen wir Ihren Vertrag. Senden Sie uns unverbindlich Ihre Anfrage oder Ihren zu prüfenden Verlags- oder Autoren-Vertrag zu und erhalten Sie umgehend eine Beratungsangebot:

  • Telefax: 0381 - 877 410 311
  • kanzlei(at)medienrecht-urheberrecht.de

Ihre Ansprechpartnerin ist Rechtsanwältin Marion Janke (MLE), Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht.

 

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