Webdesign-VertragFür die Erstellung von Webseiten werden regelmäßig professionelle Webdesigner, häufig aber auch Freunde oder Bekannte beauftragt. Wie die Beratungspraxis immer wieder zeigt, wird selten ein konkreter Webdesign-Vertrag geschlossen. Solange sich alle einig sind, ist das auch kein Problem.

Was aber, wenn der Webdesigner nicht rechtzeitig fertig wird oder etwas ganz anderes programmiert? Kann der Auftraggeber den Webdesign-Vertrag kündigen? Und muss er dann trotzdem eine Vergütung zahlen? Oder was, wenn der Programmierer Bilder, Texte oder Skripte verwendet, an denen er gar keine Rechte besitzt?

1. Was sollte ein Webdesign-Vertrag regeln?

Weiterhin stellt sich im Verlauf der Nutzung bzw. einer geplanten Veränderung des Internetauftrittes die Frage, welche Rechte habe ich als Auftraggeber überhaupt an diesen Webseiten? Darf ich sie verändern oder an Dritte übertragen? Dann wäre es schön, einen Vertrag zu haben, der all das regelt.

2. Ein Webdesign-Vertrag sichert beide Vertragsparteien ab 

Die Gestaltung und Programmierung einer Webseite ist ein Projekt, welches besonders bei umfangreichen Webauftritten eine konstruktive Zusammenarbeit beider Vertragsparteien erfordert. Oftmals aber ist es die erste Internetpräsenz, die der Auftraggeber erstellen lässt, weshalb er u. U. weder die technische Umsetzbarkeit noch den tatsächlichen Arbeitsaufwand seiner -oftmals diffusen Vorstellungen über seine Wunschseiten - einschätzen kann.

Hinzukommt, dass die Parteien sich häufig noch nicht kennen und in diesem Projekt das erste Mal zusammenarbeiten. Gerade in solchen Situationen, in denen das Arbeitsziel noch unkonkret und der Vertragspartner unbekannt ist, bringt ein Vertrag eine gewisse Seriosität in das Vorhaben, da er beide Seiten zwingt, sich realistische Vorhaben und Meilensteine zu setzen. Ein Vertrag bietet letztlich Sicherheit für beide Seiten!

Erfolgreiche, d. h. vor allem innerhalb des gesetzten Zeitfensters fertig gestellte Web-Projekte sind neben der Design-Entwicklung und der IT vor allem Ergebnis eines guten Projektmanagements. Wer jedoch schon einmal größere Web-Projekte von Anfang bis Ende begleitet hat, muss feststellen, dass die bekannten Projektmanagement-Methoden wegen der Besonderheiten von Software-Projekten nur sehr bedingt angewendet werden können. Ein konkreter Webdesign-Vertrag mit einer präzisen Leistungsbeschreibung, einer Haftungs- und Rechteklausel sowie eines Zeitplans sorgt dafür, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und dient letztlich auch der Problemvermeidung.

 

3. Die Leistungsphasen des Webdesign-Vertrags 

Je nach Umfang des zu erstellenden Internetauftrittes werden regelmäßig verschiedene Leistungsphasen vereinbart. Bei größeren Projekten wird zunächst ein Pflichtenheft erarbeitet, welches neben dem Umfang dem Design der Funktionalitäten auch die Anforderungen an die Softwareprogrammierung einschließlich der zu verwendenden Programmiersprachen enthält. Bei kleineren Projekten sind die nachfolgenden drei Leistungsphasen in der Regel ausreichend:

  • Konzeptphase
  • Entwurfsphase
  • Fertigstellungsphase

Je präziser und detaillierter in der Konzeptphase die Anforderungen ausgearbeitet wurden, die die Webseiten erfüllen sollen, je größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Projekt erfolgreich und im gesteckten Zeitfenster fertig gestellt wird.

Für den Webdesigner ist das Pflichtenheft/das Konzept das Leistungsversprechen, welches er abgibt und an dem man sich letztlich auch festhalten lassen muss. Erst wenn er nicht die darin versprochenen Leistungen erfüllt hat, kann er vollständige Zahlung verlangen.

 

4. Abnahme und Vergütung

Entspricht die Endversion dann den Vorgaben und Vorstellungen des Auftraggebers, nimmt dieser die Webseite als vertragsgemäße Leistung ab und ist zur Zahlung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.

 

Ein Webdesign-Vertrag ist als Werklieferungsvertrag zu qualifizieren, womit hauptsächlich die kaufrechtlichen Vorschriften Anwendung finden. Daher ist zwar eine konkrete Abnahme wie es das Werkvertragsrecht vorsieht, grundsätzlich nicht erforderlich.

Um jedoch im Projekt genau den Zeitpunkt markieren zu können, in dem der Webdesigner seine Vertragsleistung erfüllt und der Auftraggeber mithin zur Zahlung verpflichtet ist, empfiehlt sich gleichwohl eine Abnahme durchzuführen. Dies kann beispielsweise nach erfolgreicher Installation der Internetpräsenz oder aber erst nach Durchlaufen verschiedener Testszenarien erfolgen.

Mit Abnahme der Webseite und Übergabe der entsprechenden Dokumentationen kann der Dienstleister die vollständige vereinbarte Vergütung fordern. Bezüglich der Vergütung finden sich in der Praxis verschiedene Regelungen.

 

5. Haftung des Webdesigners 

Eine der wichtigsten Fragen bei Verträgen ist stets die Haftung des Leistungserbringers. Hier wird der Webdesigner seine Haftung einschränken wollen. Jedoch hat ihm der Gesetzgeber hierfür klare Grenzen gesetzt, d. h. ein kompletter Haftungsausschluss ist unwirksam.

Vertragstechnisch wird daher oftmals versucht, über die Leistungsbeschreibung die Haftung einzugrenzen. Jedoch unterliegen derartige einschränkende Leistungsklauseln dann auch der AGB-rechtlichen Inhaltskontrolle und können vom Gericht für unzulässig erklärt werden. Da an die Stelle einer unwirksamen Klausel stets die entsprechenden gesetzlichen Vorschriften treten und diese oftmals für den Webdesigner ungünstig sind, ist Vorsicht bei der Formulierung von Leistungs- und Haftungsklauseln geboten. 

 

6. Haftung des Auftraggebers für den Inhalt der Webseite 

Der Auftraggeber hingegen haftet in vollem Umfange gegenüber Dritten für Rechtsverletzungen auf der Webseite, weshalb er die Haftung des Webdesigners regelmäßig ausweiten will. Hat der Webdesigner beispielsweise ein Foto, einen Kartenausschnitt für die Anfahrtsskizze oder einen Text verwendet, an denen er keine Nutzungsrechte hält, haftet zunächst der Auftraggeber als Webseiteninhaber für die Urheberrechtsverletzung.

Erhält dieser dann vom Rechteinhaber eine Abmahnung mit der Aufforderung Schadensersatz und Rechtsanwaltskosten zu zahlen, fragt sich, inwieweit Rückgriffsansprüche gegen den Webseitenersteller bestehen. Eine Regelung, wer die Inhalte der Webseite zur Verfügung stellt und wer dafür haftet, ist also essenziell.

Nicht selten verwenden selbst professionelle Webseitendesigner fremdes Material ohne die erforderlichen Nutzungsrechte einzuholen. Hierfür haftet dann jedoch zunächst der Webseiteninhaber, also der Auftraggeber.

 

7. Nutzungsrechte am Webdesign 

Die Arbeitsergebnisse des Webdesigners können vom Urheberrecht geschützt sein. So hat das LG Rostock entschieden, dass suchmaschinenoptimierte Webseiten urheberrechtlich geschützt sind (OLG Rostock, Beschl. v. 27.06.2007, Az. 2 W 12/07). Daher sollte der Webdesign-Vertrag auf jeden Fall regeln, welche urheberrechtlichen Nutzungsrechte dem Auftraggeber daran zustehen. 

Erhält er die exklusiven Rechte am der Programmierung, sprich dem Webdesign oder muss er damit rechnen, dass Dritte das gleiche Design nutzen? Darf er die Webseite verändern? Darf er sie im Ganzen oder Inhalte daraus Dritten übertragen? Darf er das Design, das Foto oder die Grafik von der Seite auch einer Broschüren abdrucken oder auf dem Briefpapier verwenden?

Diese Fragen sollten vom Webdesign-Vertrag entsprechend des Einzelfalles abgedeckt sein. Musterverträge regeln die Nutzungsrechte nicht ausreichend für den Auftraggeber.

Dabei können undifferenzierte und allgemeine Regelungen über die Urheberrechte problematisch und insgesamt unwirksam sein. Die Ausgestaltung der Klausel über die Enräumung von Urheberrechten hängt nicht zuletzt davon ab, ob der Webdesigner als externer Dienstleister tätig wird oder ob dies ein angestellter Programmierer im eigenen Hause ist.

Lesen Sie hierzu auch unsere weitern Beiträge über

 

8. Was sollte ein Webdesign-Vertrag regeln? 

In einem Webseitenerstellungsvertrages sollte daher in jedem Falle enthalten sein:

  • Beschreibung des Leistungsgegenstandes, Pflichtenheft
  • die Abnahme und Vergütung
  • Gewährleistung, Haftung
  • eine Regelung zum urheberrecht an der Programmierung bzw. des Design
  • ggf. Leistungszeiten, Fertigstellungstermin, Kündigung

Häufig übernimmt der Webdesigner weitere Leistungspflichten, wie die Beschaffung der Internetdomain, das Web-Hosting der fertig gestellten Internetpräsenz oder die anschließende Pflege der Seiten. Auch diese Leistungen sollten sich in dem Vertrag wiederfinden.

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