Juslegal JP Trading Enterprises

UPDATE vom 07.08.2019:

Zwischenzeitlich sind ca. 150 Anfragen wegen der Inkasso-Schreiben der JP Trading Enterprises bei uns eingegangen.

Amazon teilt seinen Kunden mit, dass es die Forderungen als "Betrug" erachtet und empfiehlt keine Zahlung zu leisten. Amazon teilt mit, den Vorgang zu untersuchen und ihre Kunden nach Abschluss per EMail zu informieren.

Nach unserer Auffassung sind die zusätzlich zum Kaufpreis geforderten Inkasso-Gebühren unzulässig

Hier finden Sie unsere Handlungsempfehlung.

 

Soeben teilte uns eine betroffene Person mit, dass Rechtsanwalt Dr. Scheffler ihm per E-Mail bestätigt hätte, dass die JP Trading nach Zahlung des Kaufpreises keine Inkassogebühren oder sonstige Kosten geltend machen wird.

 

Der Wortlaut der E-Mail:

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Daher ergibt sich eine offene Forderung. Gerne bestätige ich Ihnen zu dem o.g. Aktenzeichen, dass Sie mit der Zahlung der Hauptforderung unserer Mandantschaft von 07,96€ von den angefallenen Inkassogebühren sowie jeglichen weiteren Kosten befreit sind.

Mit freundlichen Grüßen

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Dr. Hauke Scheffler, Rechtsanwalt, Geschäftsführer

 

 HINWEIS: Wir weisen darauf hin, dass wir derzeit nicht mit Sicherheit beurteilen können, dass die Bestätigung tatsächlich aus dem Hause JUSLEGAL stammt.

 

--- Update Ende ----------

Die Kanzlei JUSLEGAL / RA Dr. Hauke Scheffler betreibt aktuell das Inkasso für die JP Trading Enterprises UG (In der Rechnung der Firma wird beide folgende Schreibweisen verwenden: Enterprices und Enterprises). Innerhalb kürzester Zeit haben uns mehr als 90 betroffene Personen die Forderungsschreiben der JP Trading Enterprises UG mit der Bitte um Prüfung zugesandt.

Der Vorgang wirft die berechtigte Frage auf: Ist die Forderung berechtigt oder Fake?

JP Trading Enterprises UG und RA Scheffler sind ein bekanntes Team. Vor einiger Zeit mahnte RA Scheffler im Auftrage des Unternehmens andere Online-Händler wegen Wettbewerbsrechtsverletzungen ab. 

 

Was fordert die JP Trading Enterprises UG?

Gegenstand der Inkassoschreiben sind angeblich offene Forderungen aus dem Kauf von Software über Amazon (Microsoft Office Professional Plus 2016 Vollversion, MS Office 2000).

Alle betroffenen Personen berichten übereinstimmend, dass sie ungefähr im Juni/Juli 2018 auf der Plattform Amazon Software-Lizenzen von der JP Trading Enterprises UG erworben und diese auch sofort bezahlt hätten.

Allerdings sei ihnen der Kaufpreis überraschend im April 2019 wieder ihrem Amazon-Konto gutgeschrieben worden. Hierüber wurden die Käufer auch von AMAZON informiert, die als Grund für die Rückzahlung eine "Kontoberichtigung" angaben.

Einige Käufer erhielten kurze Zeit später von der JP Trading ein Schreiben, in dem diese mitteilte, dass die Rückzahlung durch einen von ihr selbst verursachten "internen IT-Fehler" veranlasst wurde und forderte weiterhin auf, den Kaufreis erneut innerhalb von 3 (!!) Tagen direkt an die JP Trading zu zahlen.  

Viele betroffene Personen haben die Rückzahlung nicht bemerkt und die Amazon-E-Mail nicht beachtet. Die erneute Zahlungsaufforderung des Verkäufers hielten sie für ungewöhnlich und reagierten darauf nicht, da die Kaufwicklung ja direkt über Amazon erfolgte.

Mit Schreiben vom 22.07.2019 fordert nun die JUSLEGAL erneut die Zahlung des Kaufpreises und macht - natürlich - erhebliche Inkasso-Gebühren geltend. 

In dem Schreiben heißt es: 

“Sehr geehrte/r Frau/Herr XY,

ich zeige an, dass mich die JP Trading Enterprises UG, mit Sitz in Vaterstetten, mit der Wahrnehmung ihrer lnteressen beauftragt hat. Meine ordnungsgemäße Bevollmächtigung versichere ich mit anwaltlichem Wort.

Gegenstand meiner Beauftragung ist eine Forderung aus einem Kaufvertrag. Der Vertrag wurde über das lnternet-Handelshaus www.amazon.de geschlossen und betrifft eine Warenlieferung in Form von Software. Sie schulden diese Forderung in Höhe von 11,85 EUR seitdem 24.04.2019. Die genaue Zusammensetzung der Forderung unserer Mandantschaft entnehmen Sie bitte der folgenden Aufstellung. Trotz Bemühungen unserer Mandantschaft wurde die Rechnung bislang nicht beglichen. lch verweise auf das Schreiben unserer Mandantschaft vom 29. April 2019. Sie befinden sich im Verzug. Damit haben Sie nunmehr auch die Verzugskosten in Form unserer Rechtsanwaltsvergütung zu tragen.

Meine Mandantschaft berechnet lhnen:

Gegenstandswert bis 300,00 EUR Geschäftsgebühr §§ 13, 14 RVG, Nr. 2300 W RVG 1,3 58,50 EUR Pauschale für Post und Telekommunikation Nr. 7002 W RVG 11,70 EUR Zwischensumme netto 70,20 EUR 19 % Umsatzsteuer Nr. 7008 W RVG 11,70 EUR Gesamtbetrag 83,54 EUR"

Für den Fall der nicht fristgerechten Zahlung teilt die JUSLEGAL mit, zur Einleitung gerichtlicher Schritte beauftragt zu sein.

 

Forderung der JUSLEGAL berechtigt oder Fake?

Ob die Forderungen zur direkten Zahlung an den Verkäufer berechtigt sind, lässt sich derzeit nicht abschließend beantworten. 

Derzeit ist auch noch nicht abschließend klar, ob die Schreiben überhaupt von der JP Trading Enterprises UG bzw. von der JUSLEGAL stammen.

Insofern fällt auf, dass das Inkasso-Schreiben weder das Datum des ursprünglichen Kaufvertrages noch eine konkrete Produktbezeichnung enthält. Bemerkenswert finden wir auch, dass die Kanzlei andere Briefköpfe verwendet werden. Denn in den vergangenen Tagen haben wir mehrere Abmahnschreiben aus dem Hause "JUSLEGAL" geprüft, in denen aber ein anderer Briefkopf verwendet wurde. 

 So ist unter der in der ursprünglichen Rechnung angegebenen Telefonnumer keiner erreichbar. Auch wird in der Rechnung eine andere Postanschrift genannt, als nun im SChreiben von RA Dr. Scheffler.

 

Unsere Handlungsempfehlung

1.

Sofern Sie ein solches Inkasso-Schreiben erhalten haben, sollten Sie die Forderung nicht ungeprüft zahlen

Vielmehr empfehlen wir Ihnen zunächst sorgfältig zu prüfen,

  • ob Sie überhaupt eine Software von der JP Trading Enterprises UG erworben haben,
  • wann und an wen seinerzeit der Kaufpreis gezahlt worden ist,
  • ob und wann Ihnen der Betrag wieder gutgeschrieben worden ist und
  • wann und an wen die erneute Zahlung geleistet worden ist.  

2.

Informieren Sie umgehend Amazon über diesen Vorgang und fügen Sie das Inkasso-Schreiben der JP Trading Enterprises UG sowie Belege über den damaligen Kauf bei. 

Amazon hat ebenfalls reagiert und untersucht den Vorgang nun. 

Amazon empfiehlt den betroffenen Personen, keine direkten Zahlungen an den Verkäufer zu leisten. Da die ursprüngliche Transaktion über die Plattform erfolgt ist und auch die Rückzahlung durch die JP Trading verursacht wurde, müsse auch die weitere Abwicklung über Amazon laufen. Daher müsse der Verkäufer Amazon kontaktieren, so dass diese die Amazon-Kunden erneut zur Zahlung auffordern können. 

Klar ist, dass der Kaufpreis für das Produkt zu zahlen ist. Wir gehen daher davon aus, dass Amazon aufgrund ihrer vertraglichen Beziehung mit der JP Trading Enterprises klären wird, wie die erneute Zahlung über die Palttform abgewickelt wird. Wir empfehlen Ihnen daher, die E-Mails von Amazon zu beachten. 

 

3.

Schreiben Sie weiterhin RA Dr. Scheffler von der JUSLEGAL an und teilen Sie mit, dass Sie davon ausgehen, dass die Zahlung erneut über Amazon abzuwickeln ist, da der Verkauf über die Plattform erfolgt ist. Teilen Sie ferner mit, dass Sie Amazon über diesen Vorgang in Kenntnis gesetzt haben und diese Ihnen ebenfalls empfohlen hat, keine direkte Zahlung an den Verkäufer zu leisten. 

Wir empfehlen Ihnen, fristgemäß auf das Schreiben zu reagieren. Anderenfalls ist die Gegenseite berechtigt, die Forderung einzuklagen bzw. das Mahnverfahren zu eröffnen, was zu unnötigen weiteren Kosten führt. 

 

Hinweis

Sofern Sie ein Forderungsschreiben von der JP Trading Enterprises UG erhalten haben, stehen wir Ihnen für eine Beratung gern zur Verfügung. Senden Sie uns die Schreiben unverbindlich per E-Mail zu.

 

Allerdings enthält dieser Beitrag alle uns derzeit vorliegenden Informationen. Sofern uns neue Erkenntnisse vorliegen, ergänzen wir den Beitrag umgehend. 

 

Aufgrund der enormen Vielzahl der Anfragen, die uns in den letzten Tagen hierzu erreicht haben, können wir Ihnen leider keine "unverzüglich" persönliche Rückmeldung zusagen. 

Sie erreichen uns per Email unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ihre Ansprechpartnerin ist Rechtsanwältin Marion Janke (MLE), Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht. 

Bild: Corbis/ Fotolia.com

 

Abgemahnt? So reagieren Sie richtig

  1. Nehmen Sie die Abmahnung ernst!
  2. Lassen Sie sich nicht durch die kurzen Fristen unter Druck setzen. Also nicht voreilig unterschreiben oder zahlen.
  3. Unterschreiben Sie nicht ungeprüft die beigefügte Unterlassungserklärung.

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