Rostock, 16.12.2009

Seit dem 01.01.2008 gilt ein neues Urheberrechtsgesetz. Eine der damit verbundenen Änderungen betrifft die sogenannte Gerätevergütung. Anlässlich des jüngsten BGH-Urteils vom 17.07.2008 zur Gerätevergütung von Kopierstationen (Az: I ZR 206/05) sowie der BGH-Entscheidung zur Geräteabgabe von Druckern vom 06.12.2007 (Az: I ZR 94/05), wollen wir dieses urheberechtlichen Instrumentes der Gerätevergütung (oder Kopierabgabe) und den sich daraus für den Händler ergebenden Pflichten erläutern.

Kopierabgabe für alle kopierfähigen Geräte


Seit dem 01.01.2008 gilt ein neues Urheberrechtsgesetz. Die für die Praxis wichtigsten Änderungen hatten wir ein einem Beitrag bereits erläutert. Eine dieser Änderungen betrifft die sogenannte Gerätevergütung, mit denen sich Kopien von urheberrechtlich geschützten Werken, also Text, Fotos, Musik oder Filme anfertigen lassen.

Anlässlich des jüngsten BGH-Urteils vom 17.07.2008 zur Gerätevergütung von Kopierstationen (Az: I ZR 206/05) sowie der BGH-Entscheidung zur Geräteabgabe von Druckern vom 06.12.2007 (Az: I ZR 94/05), wollen wir dieses urheberechtlichen Instrumentes der Gerätevergütung (oder Kopierabgabe) und den sich daraus für den Händler ergebenden Pflichten erläutern.

Geräteabgabe ist die Vergütung der Urheber: Der Urheber ist tunlichst an jeder Nutzung seines Werkes finanziell zu beteiligen. Das bedeutet, dass der Urheber jedem, der sein Werk abspielt, kopiert, wiedergibt oder im Internet zur Verfügung stellt eine Vergütung verlangen kann. Mit den am Markt erhältlichen Geräten lassen sich geschützte Werke wie Bücher, Musik, Fotos oder Filme jedoch auf so vielfältige Art nutzen und kopieren, dass es dem Urheber nicht mehr möglich ist, jede einzelne Verwertungshandlung zu kontrollieren und die entsprechende Vergütung einzutreiben. Überdies hat die Allgemeinheit auch ein Interesse daran urheberrechtlich erfasste Werke nutzen zu dürfen. Um einen gerechten Ausgleich zwischen den Interessen des Urhebers und des Nutzers zu schaffen, hat der Gesetzgebers auf der einen Seite geregelt, dass bestimmte Nutzungshandlungen, wie die Privatkopie keiner vorherigen Zustimmung des Urhebers bedürfen. Auf der anderen Seite erhält der Urheber auch für diese Nutzungen einen Ausgleich, der als Geräteabgabe ausgestaltet ist und nicht vom Urheber selbst, sondern nur von einer Verwertungsgesellschaft eingetrieben werden kann. Diese Nutzungsentschädigung ist die sogenannte Gerätevergütung oder Kopierabgabe, die in den §§ 54 ff. UrhG. geregelt ist.

Allgemein dient die Gerätevergütung einer angemessene Vergütung des Urhebers an denjenigen Nutzungen seines Werkes, die der Nutzer ohne seine Zustimmung vornehmen kann, wie beispielsweise die Privatkopie. Daher müssen bspw. Hersteller von CD-/DVD-Rohlingen und Brennern eine Kopierabgabe an VG-Wort zahlen, die dann über einen bestimmten festgelegten Verteilungsschlüssel dann an die Urheber ausgekehrt wird. Die Privatkopie ist also keineswegs kostenlos.

Welche Geräte sind vergütungspflichtig?


Während nach der bis Ende 2007 maßgeblichen Rechtslage nur Geräte erfasst waren, mit denen fotomechanische, also analoge Kopien angefertigt ließen, bezieht die Neuregelung auch digitale Kopien in die Abgabepflicht mit ein. In § 54 UrhG heißt es:

(1) Ist nach einer Art eines Werkes zu erwarten, dass es nach § 53 Abs. 1 bis 3 vervielfältigt wird, so hat der Urheber des Werkes gegen den Hersteller von Geräten, und Speichermedien, deren Typ allein oder in Verbindung mit anderen Geräten, Speichermedien oder Zubehör zur Vornahme solcher Vervielfältigungen benutzt wird, Anspruch auf Zahlung einer angemessenen Vergütung.

Nach dem Wortlaut müsste eine Abgabe auch auf Handys mit einer Speicherkarte und/oder Digitalkamera gezahlt werden, denn schließlich lassen sich damit auch Kopien von Musikstücken, Texten oder Bildwerken anfertigen. Wie aus der Gesetzesbegründung hervorgeht will der Gesetzgeber allerdings nur solche Geräte und Speichermedien erfassen, die typischerweise für solche Vervielfältigung urheberrechtlich geschützter Werke verwendet werden. Nach der Neuregelung sind von der Abgabepflicht erfasst:

- CD, DVD- und BlueRay-Disk-Rohlingen

- USB-Sticks und Speicherkarten

- externe und interne Festplatten

- Computer

- sowie CD- und DVD-Brenner

 

Wie hoch ist die Geräte-Vergütung?


Wie hoch ist die Abgabe für jedes Gerät oder jedes Speichermedium sein werden, ist bisher noch nicht abschließend geklärt. Das Gesetz gibt erhält hierfür nur allgemeine Vorgaben: So soll für die Vergütungshöhe maßgebend sein, inwieweit das Gerät oder jedes Speichermedium tatsächlich zum privat kopieren verwendet wird sowie deren Leistungsfähigkeit, Speicherkapazität und Wiederbeschreibbarkeit berücksichtigt werden. Insgesamt soll die Vergütung die Hersteller nicht unzumutbar beeinträchtigen und soll in einem angemessenen Niveau zum Preis des Gerätes stehen. Tatsächlich ausgehandelt wird die Höhe der Vergütung zwischen der VW Wort und deren Inkasso-Stelle der ZPÜ auf der einen und den Herstellern der Geräte und Speichermedien auf der anderen Seite. Wie die Praxis und nicht zuletzt die erwähnten BGH-Urteile zeigen, scheinen diese Verhandlungen nur teilweise erfolgreich zu sein.

 

Hersteller und Importeuer haften für Zahlung


Doch wer muss diese Geräteabgabe in der oft langen Händler-Kette zahlen? Diese Frage beantwortet das Gesetz in § 54b Abs. 1 UrhG:

„Neben dem Hersteller haftet als Gesamtschuldner, wer die Geräte oder Speichermedien in den Geltungsbereiches dieses Gesetzes gewerblich einführt oder einführt oder wer mit ihnen handelt.“

 

Hersteller und Importeur: Bei Nichtmeldung droht doppelte Vergütung


Die Vergütungspflicht richtet sich also primär gegen den Hersteller, als den Produzenten der Geräte. Werden im Ausland produzierte Geräte nach Deutschland gewerblich (!) importiert oder reimportiert, steht der VG Wort angesichts der Gefahr, dass die Vergütung im Ausland nicht gezahlt wurde, mit dem der Importeur ein weiterer Schuldner zur Verfügung. Importeur sind halt hinsichtlich Art und Stückzahl der eingeführten Geräte gegenüber der Verwertungsgesellschaft meldepflichtig, was in der Praxis über Musterformulare abgewickelt wird. Bei fehlender, unvollständiger oder sonst unrichtiger Meldung droht die Zahlung einer doppelten Vergütung.

 

Ausnahmen für Händler


Zwar soll grundsätzlich auch der Händler für die Zahlung der Geräteabgabe an die VG Wort haften. Jedoch hat der Gesetzgeber zwei wesentliche Ausnahmen geschaffen. So entfällt die Vergütungspflicht des Händlers gemäß § 54b UrhG:

  1. soweit der Hersteller, Importeur oder Händler von dem die Geräte oder Speichermedien bezogen

  2. werden, an einem Gesamtvertrag mit der VG Wort über die Vergütung gebunden ist oder

  3. der Händler Art und Stückzahl der bezogenen Geräte und Speichermedien und seine Bezugsquelle

  4. der ZPÜ jeweils zum 10. Januar oder 10 Juli für das vorangegangene Kalenderhalbjahr schriftlich mitteilt.

Empfehlung


Jedem Händler ist also zu empfehlen, bei seinem jeweiligen Vertragspartner, von dem er entsprechende Geräte bezieht, nachzufragen. Fraglich ist, inwieweit sich der Händler auf allgemeine Aussagen seines Vertragspartners verlassen kann. Stimmen die Informationen des Vertragspartners nicht, muss der Händler selbst an die VG Wort zahlen. Daher sollten möglichst schriftliche Nachweise angefordert werden. Um eine Zahlungspflicht auszuschließen sollte in jedem Falle eine Meldung an die ZPÜ nach obiger Ziffer 2 durchgeführt werden.

 

Autor und Ansprechpartner: Rechtsanwältin Marion Janke (MLE), Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht

 

 

 

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