Prominentenfotos Veranstaltung Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte darüber zu entscheiden, ob eine prominente Persönlichkeit, die an einem Reitturnier teilnimmt, die Veröffentlichung von Fotos dulden muss, alleine deshalb, weil sie prominent ist und daher ein vermehrtes Interesse der Öffentlichkeit an einer Berichterstattung besteht (OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 22.02.2018, Az 16 U 87/17).

Klägerin ist die Tochter des ehemaligen Rennfahrers Michael Schumacher. Sie nimmt einen Zeitungsverlag auf Unterlassung in Anspruch. Grund für den vorliegenden Rechtsstreit ist die Veröffentlichung von vier Fotos der Schumacher-Tochter, die sie zusammen mit ihrer Mutter anlässlich eines Reitturniers in Rom zeigen. Ein weiteres Foto zeigt die Klägerin zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter anlässlich eines Fußballturniers in Monte Carlo vor 17 Jahren. Zwei weitere Fotos wurden nicht beanstandet, da sie die Schumacher-Tochter als Teilnehmerin des Reitturniers zeigen.

Der Zeitungsverlag ist gegen die Klage in Berufung vor dem Oberlandesgericht gegangen. Diese ist jedoch ohne Erfolg geblieben, denn die Richter folgten der Rechtsauffassung der Klägerin, dass die Veröffentlichung der streitgegenständlichen Personenfotos rechtswidrig ist. Die Richter hatten zuvor die Frage zu klären, ob die Schumacher-Tochter als prominente Persönlichkeit und damit als Person der Zeitgeschichte die Veröffentlichung der Fotos zu dulden hat. Auch geklärt werden musste die Frage, ob das Reitturnier als Ereignis der Zeitgeschichte, an dem ein vermehrtes Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit besteht, anzusehen ist.

Prominente, die als Personen der Zeitgeschichte eingestuft werden, weil sie durch ihre Tätigkeit regelmäßig in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, sind in vielen Situationen den Kameras der Fotografen ausgesetzt. Als Personen der Zeitgeschichte werden zum Beispiel Schauspieler, Politiker, Sportler oder andere Menschen, die aufgrund ihres Berufes einer vermehrten öffentlichen Wahrnehmung ausgesetzt sind, eingestuft. Gemäß § 22 KUG besteht das Recht am Bild.

Die abgebildeten Personen können auf der Grundlage des Persönlichkeitsrechts darüber bestimmen, was mit ihrem Personenfoto geschieht, denn es handelt sich um ein ausschließliches vermögenswertes Recht, da ideelle und kommerzielle Interessen betroffen sind. Allerdings gibt es Situationen, in denen dieses ausschließliche Recht am Bild nicht greift, und zwar dann, wenn andere, gleichberechtigte Grundrechte betroffen sind, zum Beispiel die Kunstfreiheit oder die Pressefreiheit.

Es stellt sich die Frage, wann diese bekannten Persönlichkeiten abgebildet und die Aufnahmen anschließend einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden dürfen. Die Grenzen sind fließend. Bleibt noch das Ereignis der Zeitgeschichte. Hierzu zählen alle Veranstaltungen, die auf ein breites Interesse der Öffentlichkeit stoßen. Nehmen Prominente an derartigen Veranstaltungen teil, setzen sie sich bewusst der öffentlichen Wahrnehmung aus und suchen diese Aufmerksamkeit auch, um den Grad ihrer Bekanntheit zu steigern. Sie müssen damit rechnen, dass Fotos auf Veranstaltungen gemacht werden.

Treffen diese Aussagen auch auf die Schumacher-Tochter und das Reitturnier, an dem sie teilgenommen hatte, zu? Die Klägerin hat in die Veröffentlichung der streitgegenständlichen Fotos nicht eingewilligt und ist daher berechtigt, die Veröffentlichung zu untersagen. Das internationale Reitturnier in Rom ist zwar auf ein breites Interesse der Öffentlichkeit gestoßen. Pressevertreter waren ausdrücklich für eine Berichterstattung und Fotos auf Veranstaltungen zugelassen, um genau dieses öffentliche Interesse zu befriedigen.

Die erlaubte Berichterstattung beschränkt sich allerdings alleine auf die Ereignisse, die im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Reitturnier stehen. Aus diesem Grund hat die Klägerin zwei weitere Fotos, die sie als Teilnehmerin an dem Reitturnier zeigen, auch nicht beanstandet.

Die privaten Aufnahmen, die sie am Rande des Turniers zeigen, stehen nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Klägerin als Turnierreiterin. Das internationale Reitturnier ist zwar durchaus als Ereignis der Zeitgeschichte einzustufen, jedoch nur dann, wenn sich die Berichterstattung explizit auf die Teilnahme der Klägerin an diesem Wettbewerb beschränkt. In dieser Hinsicht beschränkt sich die Berichterstattung alleine auf die Klägerin in ihrer Rolle als Prominente, die das „Genießen der schönen Seiten des Lebens“ hervorhebt.

Das sportliche Ereignis wurde als Anlass zur Berichterstattung über die Schumacher-Tochter genommen, die in keinem Zusammenhang mit ihrer Teilnahme an dem Reitturnier steht. Auch das fünfte Foto, das die Klägerin als Kind anlässlich eines Fußballturniers zeigt, fällt unter das Verbot der Veröffentlichung. Die Veröffentlichung von Personenfotos, die Prominente als Kinder oder Jugendliche zeigen, bedürfen stets der Einwilligung der Betroffenen.

Die Berichterstattung über die Schumacher-Tochter ist auch nicht in der Hinsicht gerechtfertigt, dass ein vermehrtes Interesse der Öffentlichkeit an dem Schicksal ihres Vaters, dem verunglückten Rennfahrer Michael Schumacher, besteht. Das Reitturnier steht in keinem Zusammenhang mit dieser privaten Situation. Ferner hat sich die Schumacher-Familie nach dem Unfall aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und gibt keine Informationen über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher heraus. Für Fragen zu diesem Thema stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

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Bild: konstan/ Fotolia.com

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