Zitieren - aber richtig!

Urheberrecht

 

Im Vertrauen auf die Zitierfreiheit werden häufig fremde Texte und Bilder auf Webseiten oder in Druckwerke übernommen. Jedoch ist die Zitierfreiheit nicht unbegrenzt! Im Gegenteil: das Gesetz stellt an ein Zitat strenge Anforderungen, unter denen es zulässig ist, ein urheberrechtlich geschütztes Werk ohne Zustimmung des Urhebers zu eigenen Zwecken zu verwenden. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, darf nicht zitiert werden! Anderenfalls liegt eine Urheberrechtsverletzung vor, die eine teure Abmahnung nach sich ziehen kann.

Abmahnungen wegen falscher Zitate, also der unberechtigten Nutzung fremder Texte auf einer Webseite häufen sich seit geraumer Zeit. So versenden neben der Karl Valentin Erbin Annelise Kühn und der rasscass Medien, Inhaber Christian Kaiser als Betreiber der Webseite www.whoswho.de Forderungsschreiben.

Seit kurzem machen auch große Presseagenturen wie die dapd und Medienverlage, wie Axel Springer AG über info pool Schadensersatz gelten.

 

Zitierfreiheit nicht unbegrenzt


Das Zitieren von Texten anderer Autoren ist in der Wissenschaft sinnvoll und erforderlich. Aber auch auf gewerblichen Webseiten und Briefbögen finden sich oft Zitate mehr oder weniger bekannter Personen in Form von Redewendungen oder Sprüchen. Dabei werden im blinden Vertrauen auf die Zitierfreiheit fremde Texte und Bilder in einem Umfang übernommen, der keinesfalls mehr ein urheberrechtlich zulässiges Zitat darstellt.

Denn die Zitierfreiheit ist nicht unbegrenzt! Im Gegenteil: das Gesetz stellt strenge Anforderungen, unter denen es zulässig ist, in urheberrechtlich geschütztes Werk ohne Zustimmung des Urhebers zu eigenen Zwecken zu verwenden. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, darf nicht zitiert werden! Anderenfalls liegt eine Urheberrechtsverletzung vor, die eine teure Abmahnung nach sich ziehen kann.

 

§ 51 Urheberrechtsgesetz - Zitate

Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichen Werkes zum Zweck des Zitates, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertig ist. Zulässig ist dies insbesondere, wenn

1. einzelne Werke nach der Veröffentlichung in ein selbständiges wissenschaftliches Werk zu Erläuterung des Inhaltes aufgenommen werden;

2. Stellen eines Werkes nach der Veröffentlichung in einem selbständigen Sprachwerk angeführt werden;

3. einzelne Stellen eines erschienen Werkes der Musik in einem selbständigen Werk der Musik angeführt werden.

 

Daraus geht hervor, dass sie alles, was nicht urheberrechtlich geschützt ist, frei verwenden dürfen. Aber wann eine Redewendung, ein Spruch oder eine kurze Beschreibung geschützt ist, lässt sich nicht immer einfach beantworten. Ohne Probleme eingebunden werden können aber Werke wie beispielsweise:

 

  • gemeinfreie Werke, also Texte, Bilder, Musik, deren Schöpfer bereits 70 Jahre tot ist. Dann ist der Urheberrechtsschutz abgelaufen.
  • amtliche Werke wie Gesetze, Verordnungen, Urteile und Erlasse
  • wissenschaftliche oder historische Daten, Fakten und Erkenntnisse

 

Bei letzteren ist allerdings darauf zu achten, dass neben den schutzfreien Daten und Fakten an sich, deren Darstellung (Grafik, Tabelle etc.) und Formulierung sehr wohl Schutz genießen kann. Daher ist in jedem Falle die Quelle des Zitates anzugeben.

Das Gesetz kennt also drei Arten von Zitaten: das Großzitat (Nr.1), das Kleinzitat (Nr. 2) und das Musikzitat (Nr. 3). Gleichwohl ist allgemein anerkannt, dass auch Bild- und Filmzitate zulässig sein können.

 

Großzitat


Am weitestgehend ist das Großzitat (§ 51 Nr. 1 UrhG). Danach dürfen ganze Werke in ein neues wissenschaftliches Werk zur Erläuterung aufgenommen werden. Das Zitatrecht beschränkt sich hier (anders als in Nr. 2) also nicht nur auf einzelne Stellen, sondern gestattet die vollständige Übernahme eines Werkes. Allerdings muss das übernehmende Werk wissenschaftlich sein. In alltäglichen Informationen, Reportagen und Zeitungsartikeln dürfen fremde Werke demnach nicht vollständig zitiert werden.

 

Kleinzitat


Zu anderen als zu wissenschaftlichen Zwecken ist das Kleinzitat (§ 51 Nr. 2 UrhG) zulässig, wenn einzelne Stellen eines fremden Werkes in ein eigenes Werk übernommen werden. Wichtig ist also: die Nutzungserlaubnis umfasst  immer nur einen kleinen Auszug aus dem ganzen Werk. Entscheidend ist dabei jeweils das Verhältnis der Länge des Zitates zur Länge des zitierten Werkes. Da ein sinnvolles Zitat aus einem einzelnen Foto, einem Bild oder einem kurzen Gedicht nicht möglich ist, kann die Verwendung des ganzen Fotos als sogenanntes „kleine Großzitat“ zulässig sein, sofern die übrigen Voraussetzung des Zitatrechts erfüllt sind.

 

Musikzitat


Mit dem Musikzitat (§ 51 Nr. 3 UrhG) dürfen einzelne Stellen eines Werkes der Musik in ein selbständiges neues Musikwerk eingefügt werden. Wegen des starren Melodieschutzes unterliegt das Musikzitat jedoch engen Grenzen. Deshalb unterlag auch die Sängerin Sabrina Setlur in der Klage der Gruppe Kraftwerk vor dem BGH (Urteil vom 20.11.2008, I ZR 112/06 - Metal auf Metal). Die Sängerin und 2 weitere Beklagte hatten in einem Titel eine etwa zwei Sekunden lange Sequenz aus dem Titel der Gruppe Kraftwerk „Metal auf Metal“ elektronisch kopiert (gesampelt) und in dem Titel „Nur mir“ in fortlaufender Wiederholung unterlegt. Diese Nutzung, so die obersten Richter, sei zumindest nicht vom Zitatrecht gedeckt und unter diesem Gesichtspunkt unzulässig. Die Entscheidung wird nun wieder an das Berufungsgericht zurückgewiesen, das entscheiden muss, ob es sich der Nutzung um eine zulässige „freie Benutzung“ des Werkes handelt.

 

Richtig zitieren


Das Zitat darf nicht um seiner selbst willen übernommen werden. Es muss einen Zweck erfüllen. Allein die Ansicht „weil das Gedicht so schön ist“ oder „Der Spruch bildet ein tolles Motto für meine Webseite“ reicht dafür nicht. Vielmehr fordert das Gesetz bei allen drei Zitatarten, dass das Zitat als Beleg oder zur Erläuterung des Inhalts des übernehmenden Werkes dient. Das Zitat muss also der Unterstützung der eigenen vertretenen Auffassung dienen und Ausdruck der geistigen Auseinandersetzung mit dem zitierten Werk sein. Im Einzelfall kann jedoch das Zitat als künstlerisches Mittel ohne Belegfunktion zulässig sein. Die Verwendung von Filmaterial allein zur Ausschmückung der eigenen TV-Sendung genügt dafür hingegen nicht. Es sei weder eine geistige Auseinandersetzung noch ein künstlerischer Ausdruck, wenn ein Moderator fremde Filmbeiträge in seiner eigenen Sendung kommentiert. Mit dieser Argumentation wurde die Einblendungen von Sendungen fremder Fernsehanstalten in der Sendung TV-Total von Stefan Raab vom BGH als unzulässig gewertet (BGH ZUM-RD 2008, 337, 341 – TV-Total).

Weiter darf das Zitat nicht verändert werden (Veränderungsverbot). Die übernommene Textpassage beispielsweise darf also nicht grammatikalisch umformuliert werden, nur damit das Zitat besser in den eigenen Text passt. Selbst geringe sprachliche Veränderungen und Auslassungen gegenüber dem Original sind nicht mehr vom Zitatrecht gedeckt.

Schließlich ist bei jedem Zitat die Quelle so anzugeben (Quellenangabe), dass es möglich ist, das Zitat zu prüfen. Genannt werden sollten daher der Name des Autors und des Buches bzw. Beitrages. Bei Bildzitaten ist – soweit möglich – der Fotograf bzw. der Rechteinhaber in unmittelbarer Nähe zum Bild bzw. Bildteil zu benennen. Wird aus einem online-Beitrag zitiert, sollte neben dem Name des Autors und des Beitrages der Direktlink aufgeführt werden.

 

Achtung Abmahnung! Zitate können teuer werden


Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, kann der Rechteinhaber das unberechtigte Zitat abmahnen. Das Lieblingsgedicht oder der Lieblingsspruch auf der eigenen Webseite oder beim eBay-Auftritt können dann teuer werden. So wird schon seit einiger Zeit die Verwendung von Aussprüchen Karl Valentins auf privaten und gewerblichen Webseiten mit erheblichen Schadensersatz- und Kostenforderungen anwaltlich abgemahnt. Die Erbin des Künstlers Valentin kann es offenbar nicht akzeptieren, wenn hier und da auf einer Webseite eine Redewendung ihres entfernten Vorfahrens aufgenommen und so dessen Schaffen in Erinnerung gehalten wird. Was würde wohl Karl Valentin selbst dazu sagen?

 

Autorin und Ansprechpartnerin ist Rechtsanwältin Janke, MLE, Fachanwältin für Urheberrecht und Medienrecht.

 

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KANZLEI JANKE | Urheberrecht und Medienrecht | Rostock

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